Nachhaltigkeit

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Im Zuge der Aufnahme von Mugga-Eukalyptus in unsere ständig wachsende Initiative mit urbanem Holz, erklärt Scott Paul den Wert unserer Zusammenarbeit mit West Coast Arborists und wie es dazu kam, dass Eukalyptus in Kalifornien so weit verbreitet ist.

Taylor hat zum ersten Mal Modelle mit Holz aus urbanen Gebieten auf der NAMM 2020 vorgestellt, zu Anlass der Einführung der Builder’s Edition 324ce mit Zargen und Boden aus Urban Ash (besser bekannt als Schamel-Esche, Fraxinus uhdei). Diese Eschensorte wurde bisher, soweit wir wissen, nicht als Tonholz verwendet, zumindest nicht für ein eigenes Modell. Dieser Baum, einheimisch in Mexiko und Teilen von Zentralamerika, wurde im Süden von Kalifornien nach dem zweiten Weltkrieg im Zuge der sich ausdehnenden urbanen Infrastruktur sehr häufig gepflanzt. Auch heute wird dieser sehr gut Schatten spendende Baum noch häufig angepflanzt.

Wir bekommen unser Urban Ash-Holz von West Coast Arborists, Inc. (WCA), die nicht nur das Anpflanzen und die Pflege von Bäumen als Dienstleistung für viele Landkreise übernehmen, sondern auch das Fällen von Bäumen, wenn dies erforderlich ist. WCA ist für El Cajon, wo sich unser Werk befindet, zuständig, aber dieses Unternehmen arbeitet mit Landkreisen im ganzen Staat und sogar in Teilen von Arizona zusammen.

Als wir die BE 324ce vorgestellt haben, hat die Story des Holzes von Bäumen aus unseren Städten so manchen Gitarristen begeistert, aber ganz gleich, woher das Holz nun kommt, wurde Urban Ash allgemein als Tonholz anerkannt. Tatsächlich hat Bob Taylor Urban Ash das „Mahagoni von Südkalifornien“ genannt und Andy Powers hat es als Golden Retriever der Tonhölzer bezeichnet, denn „egal wie man es schneidet, schleift, biegt, klebt oder beizt – es möchte uns stets Freude bereiten.“ Andy gefällt diese Holzart so gut, dass wir seitdem mehrere weitere Modelle mit Urban Ash eingeführt haben. Es ist ein tolles Holz und stammt aus einer nachhaltigen Quelle.

Zum Anlass der Vorstellung unserer Builder’s Edition 324ce habe ich damals einen Beitrag mit dem Titel „Im urbanen Wald nach Bäumen sehen“ (W&S Ausgabe 96) geschrieben, in dem ich versuchte, das Interesse von Taylor an urbanem Holz zu erklären, die verstärkte Notwendigkeit, eine Wirtschaft für Holz aus urbanen Gebieten zu schaffen, ja im Grunde zu erklären, wie wichtig es ist, die urbanen Baumbestände in Städten rund um die Welt zu pflegen und zu erweitern. In diesem Artikel habe ich von jenem Tag berichtet, an dem ich mit Bob, Andy und einem kleinen Team von Taylor Mitarbeitern das Zwischenlager von WCA nicht weit von El Cajon besucht habe, die Stelle, an die die Baumpfleger die Bäume hinbringen, die sie in Landkreisen von San Bernardino und Riverside gefällt haben.

WCA wurde 1972 von Pat Mahoney gegründet und 45 Jahre später hat sein Sohn, „Big John“ Mahoney, ein regelrechter Riese, der übrigens an Bart-Wettbewerben teilnimmt und mit der Kettensäge Skulpturen macht, seinen Vater dazu bewegt, eine transportable Sägemühle anzuschaffen. Big John und ein weiterer Mitarbeiter von WCA, Jason Rose (ein Kindheitsfreund von John), haben dann das Unternehmen dazu überredet, ihr bestehendes Recyclingprogramm für Holz auszubauen – bis zu jenem Zeitpunkt beschränkten sie sich darauf, Bänke aus dem Holz von gefällten Stadtbäumen anzufertigen, nebst Brennholz. Diese zusätzlichen Bemühungen sollten dazu führen, die Entsorgungskosten weiter zu senken, indem gefällte Bäume aus urbanen Gebieten immer, wenn möglich in Nutzholz oder Scheiben mit sichtbarer Maserung verwandelt werden, die dann Endverbrauchern angeboten werden. Sie haben ihre Initiative in Street Tree Revival umbenannt und angefangen, das Holz in verschiedene Kategorien zu sortieren – für Brennholz, wie schon zuvor, aber jetzt auch in Nutzholz und Scheiben für Tische. Hin und wieder nimmt Big John einen Baum, der ihm besonders gefällt, und widmet sich daran seiner Leidenschaft, Kunstwerke mit der Kettensäge zu schaffen.

Als Bob und Andy zum ersten Mal eines der Zwischenlager von WCA besuchten, war Street Tree Revival damit beschäftigt, dicke Baumstämme mit Holz von entsprechender Qualität nach der jeweiligen Holzart zu sortieren und die Enden zu versiegeln, um Risse zu vermeiden. Sie verfügten über einen transportablen Wood-Mizer und verschiedene Kettensägen. Bob und Andy identifizierten sofort bestimmte Stapel von Baumstämmen, bei denen es sich um Holzarten handelte, die sich zumindest theoretisch für den Gitarrenbau eignen sollten.

Ein paar Tage später haben sie Muster davon zurecht gesägt und zu Andy in seine Werkstatt für die weitere Beurteilung gebracht. Die Schamel-Esche, Spitzname „Golden Retriever“, war die erste Holzart, die es geschafft hat, uns für speziell daraus gefertigte Modelle zu überzeugen, aber wir haben nun die Ehre, eine weitere Holzart vorstellen zu können. Nach ausgiebigem Experimentieren hat Andy den Mugga-Eukalyptus (Eucalyptus sideroxylon) auserkoren, eine Eukalyptusart, die wir als Urban Ironbark bezeichnen und die als Tonholz für Boden und Zargen der gerade neu überarbeiteten 500er Serie dient.

An einer anderen Stelle in dieser Ausgabe geben wir ein Gespräch zwischen Jim Kirlin und Andy wieder, in dem es um die klanglichen Qualitäten von Urban Ironbark und die verschiedenen Gründe geht, die dafür sorgen, dass Andy als Gitarrenbauer dieses Holz so sehr schätzt. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um Ihnen, liebe Leser, die letzten Neuigkeiten zu der ständig wachsenden Verwendung von urbanem Holz bei Taylor zu bringen und insbesondere alles Wissenswerte zu Eukalyptus zu behandeln, wobei ich erneut betonen möchte, wie wichtig es ist, dass wir unsere grünen Lungen, das heißt, Baumbestände in Städten, pflegen und erweitern.

Alles über Eukalyptus

Weltweit gibt es mehr als 700 Eukalyptusarten, wobei die meisten in Australien zu Hause sind, aber einige auch von den in der Nachbarschaft gelegenen Inseln Neuguinea und Indonesien stammen. Heutzutage ist Eukalyptus der meistgepflanzte Baum der Welt, wobei 30 bis 40 Arten im Rahmen einer forstwirtschaftlichen Nutzung in mehr als 100 Ländern kultiviert werden. Die Bäume wachsen sehr schnell und liefern hochwertiges Holz und Zellstoff. Aus bestimmten Arten werden auch Farbstoffe gewonnen, die sich chemisch gut mit Materialien wie Seide und Wolle vertragen. Weiterhin eignen sich die unverkennbaren, ovalen Blätter von manchen Arten nach entsprechendem Trocknen, Zerkleinern und Destillieren dazu, ätherisches Öl zu erzeugen, das als Duftstoff, Insektenabwehrmittel oder Brennstoff Verwendung findet.

Eukalyptus ist die weltweit am meisten angepflanzte Baumart.


Als meist gepflanzte Baumart der Welt, hat Eukalyptus aber auch so manche Kontroverse entfacht. In den 90er Jahren wurden zum Beispiel verstärkt große Plantagen von besonders ertragreichen Eukalyptusarten gegründet, viele davon in den Tropen. Die Kontroverse entstand dadurch, dass diese großen Plantagen weitreichende Landflächen benötigten, woraufhin einheimischer Wald und Grünland in Eukalyptuswälder verwandelt wurden, was zu der Zerstörung von Ökosystemen und potenziellem Verlust von Artenreichtum führte. Erschwerend kommt hinzu, dass solche Projekte nur zu oft dazu gedient haben, Reichtum und Macht zu gewinnen, wobei die einheimische und indigene Bevölkerung ihr Land verlor.

Taylor Guitars beschafft Mugga-Eukalyptus aus Südkalifornien von unserem Lieferpartner West Coast Arborists. Diese Baumart stammt ursprünglich aus dem wüstenähnlichen Innenland von Ostaustralien und ist eine besonders widerstandsfähige Eukalyptusart, die auch mit den härtesten Bedingungen zurechtkommt. Ein ausgewachsener Baum dieser Art kann zwischen 9 und 24 m erreichen.  Seine unverkennbare Rinde ist besonders dick und hart, wobei sie entweder grau, braun oder schwarz sein kann. Das ist eine der wenigen Eukalyptusarten, bei der sich die Rinde nicht regelmäßig abschält. Die Blüten dieser Art variieren zwischen gelb, rosa und rot. Die Kombination dieser Eigenschaften führt dazu, dass Mugga-Eukalyptus bei der städtischen Planung und Erweiterung besonders geschätzt wird.

Eukalyptus ist mittlerweile in Kalifornien so weit verbreitet, dass diese Bäume für genauso typisch für diese Landschaft gelten, wie die Palmen, eine weitere größtenteils nicht einheimische Art.


Eukalyptus wurde erstmals in Kalifornien zu Anlass des Goldrauschs um 1850 eingeführt, als der amerikanische Westen ein Defizit an Nutzholz verzeichnete. Landbesitzern und Bauern wurde empfohlen, Eukalyptus anzupflanzen, mit dem Versprechen, dass sie in nur 30 Jahren deutlich davon profitieren würden. Als wir uns dem 20. Jahrhundert näherten, war der Traum eines wirtschaftlichen Anbaus von Eukalyptus in Kalifornien allerdings längst vorbei, weil sich die Amerikaner, gewöhnt an altbestehende Douglasie und Redwood, sich von dem Holz dieser recht frisch aus Australien importierten Baumarten nicht beeindrucken ließen. Infolgedessen wurden tausende Hektar an Eukalyptuswäldern nicht geerntet. Die sich selbst überlassenen Bäume fühlten sich im mediterranen Klima der küstennahen Landstriche von Kalifornien äußerst wohl, da es dem Klima von Australien mit Regen im Winter und Trockenheit im Sommer sehr ähnelt.

Heutzutage kann man in Kalifornien rund 250 verschiedene Arten von Eukalyptus antreffen, die nicht mehr als Quelle für Nutzholz angepflanzt werden, sondern meist als Windschutz an Autobahnen und landwirtschaftlichen Flächen sowie als Schattenspender und Zierbaum in Städten und Gärten. Mit den verwilderten Überresten der früheren Plantagen und dem fortwährenden Anpflanzen in urbanen Gebieten, ist Eukalyptus mittlerweile in Kalifornien so weit verbreitet, dass diese Bäume für genauso typisch für diese Landschaft gelten, wie die Palmen, eine weitere größtenteils nicht einheimische Art.

Stadtbäume und urbanes Holz

Wenn wir jetzt einmal Abstand von Eukalyptus nehmen und uns die sonstige urbane Begrünung anschauen, darf zunächst ihre Bedeutung keinesfalls unterschätzt werden. Dafür gibt es zunehmend wachsende Beweise, unter anderem das von den Bäumen aufgenommene Kohlenstoffdioxid aber auch ihre Fähigkeit, die Lufttemperatur durch den Schatten und die verdunstete Feuchtigkeit zu reduzieren, was den Energieverbrauch unserer Städte senken kann. Die urbanen Grünzonen spielen auch eine wichtige Rolle im Rahmen des Wasserhaushalts, indem Überschwemmungen vermieden werden, und darüber hinaus bremsen sie starken Wind und vermindern die Übertragung von Lärm. Die Bäume filtern die Luft und bilden Lebensräume für Singvögel und andere Tiere. Zusätzlich zu diesen Vorteilen für den Umweltschutz und die Wirtschaft, wird zunehmend anerkannt, wie wichtig Stadtbäume für die Gesellschaft sind – sie sind nicht nur wichtig für unser seelisches Wohlbefinden, sondern auch für die Gemeinschaft.

Uns allen ist bewusst, dass wir die grüne Lunge unserer Städte erweitern und diversifizieren müssen, aber Bäume sind natürlich Lebewesen, und wie alle anderen Lebewesen, sterben auch sie irgendwann. Darüber hinaus gibt es unzählige weitere Gründe, weshalb Bäume gefällt werden müssen: Schäden durch Erkrankungen, Plagen, Sturm, aus Sicherheitsgründen, für die städtische Weiterentwicklung und bei Bauprojekten, um nur ein paar zu nennen. Obwohl es natürlich höchst wichtig ist, die Grünzonen unserer Städte zu erweitern, heißt dies aber auch, dass demnächst im Endeffekt mehr Bäume ihr Lebensende erreichen werden. Das ist eine ganz einfache Rechnung. Infolgedessen suchen die Menschen weltweit zunehmend nach Wegen, diese zu fällenden Bäume in Mehrwert zu verwandeln, was wiederum dabei helfen kann, unsere urbanen Gebiete verstärkt zu begrünen und die Belastung auf die Wälder an anderen Stellen zu verringern.

Ein weiteres sehr interessantes Beispiel für ein in den USA ansässiges Unternehmen, das urbanes Holz verwertet, ist das Room & Board’s Urban Wood Project. Hier werden schöne Möbel aus urbanem Holz aus Baltimore, Minneapolis, Detroit und Sacramento gefertigt, und das Unternehmen ist derzeit damit beschäftigt, weitere Gelegenheiten in anderen Teilen der USA zu erkunden, um seine Kollektion aus urbanem Holz in Zukunft weiter auszubauen.

Unsere Zusammenarbeit mit West Coast Arborists hat uns eine neue und vielversprechende Quelle für die Beschaffung von hochwertigem Tonholz für die Gitarren der Zukunft eröffnet. Und auch wenn diese Hintergrundgeschichte interessant ist, ja meiner Ansicht nach sogar nachhaltig für Umwelt und Gesellschaft, würden wir natürlich nicht darin investieren, wenn dies langfristig gesehen für unser Geschäft keinen Sinn machen würde. Wir haben kein Interesse daran, eine einmalige, zeitlich beschränkte Serie von „ökologischen“ Gitarren herzustellen, um unser Unternehmen umweltfreundlich erscheinen zu lassen. Holz ist Holz, egal wo es herkommt, und wir brauchen Qualität, ausreichende Mengen und vorhersehbare Konsistenz, damit es funktioniert. Glauben Sie mir, mit den Kenntnissen, die Andy hat, würde er Gitarren aus Urban Ash und Urban Ironbark anfertigen wollen, egal woher das Holz käme, solange es verantwortungsbewusst beschafft würde.

Eine abschließende Überlegung: Es ist immer noch teurer, urbanes Holz aus Kalifornien zu beschaffen, als Holz von bestehenden, etablierten Lieferketten, sogar von anderen Teilen der Welt, aber WCA ist dabei, den Weg von seiner Seite aus zu ebnen, während Taylor von der anderen Seite aus dasselbe tut. Und wie Bob Taylor zu sagen pflegt: „In zehn Jahren werden wir froh sein, dass wir es getan haben.“


In the video segment above — part of a longer discussion about sourcing urban wood — Taylor content producer Jay Parkin talks with Taylor Director of Natural of Natural Resource Sustainability Scott Paul, chief guitar designer Andy Powers, and master arborist Mike Palat from West Coast Arborists. The four discuss what an urban forest is, the factors that make sourcing urban wood harder and more expensive than one might think, and what prompted West Coast Arborists to begin to create the infrastructure to support this new sourcing model.

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